Anlässlich des Saisonabschlusses am vergangenen Wochenende gab Skisprung-Experte Sven Hannawald ein großes Interview, in dem er sich unter anderem zur deutschen Trainerfrage äußerte. Der bisherige Co-Trainer von Stefan Horngacher, der Österreicher Andreas Mitter, soll dabei sehr hoch im Kurs stehen.
Sven Hannawald: "Schade, dass er nicht meinen Nachfolger kreiert hat"
Hannawald: „So darf es nicht sein“
„Das befürworte ich“, sagte Hannawald der Sportschau zu den sich verdichtenden Hinweisen. Mitter war „in Finnland selbst schon mal Cheftrainer“, betonte Hannawald. Zwar sei das eine deutlich kleinere Nation, trotzdem sei das „Skispringen dort auch sehr populär“.
Der 44-jährige Österreicher arbeitet nun bereits viele Jahre als Co-Trainer für den DSV und konnte dabei laut Hannawald wichtige Erfahrungen sammeln. Das verschaffe ihm gegenüber anderen Konkurrenten einen großen Vorteil.
Nach seinem abgeschlossenen Studium arbeitete Mitter zuerst beim SC Partenkirchen. Später trainierte er Österreichs C-Kader, dann den B-Kader und übernahm anschließend den Cheftrainerposten in Finnland. Von dort zog es ihn dann 2019 wieder zurück zum DSV. Er „hat einen guten Zugang zu den Springern“, betonte Hannawald. Als Nachfolger von Horngacher könnte er den nächsten riesigen Schritt in seiner Karriere gehen.
Hannawald: Horngacher hat „alles erreicht“
Hannawald äußerte sich in diesem Kontext auch zur Leistung, die Horngacher in den letzten sieben Jahren als Bundestrainer vollbracht hat.
„Schade, dass er es nicht geschafft hat, meinen Nachfolger zu kreieren, aber mit Skiflugweltmeister Karl Geiger, mit Olympiasieger Philipp Raimund hat er alles erreicht“, sagte der letzte deutsche Vierschanzentournee-Gewinner.
Horngacher habe viele Herausforderungen meistern müssen, die er immer sehr akribisch abgearbeitet habe. „Am Ende liegt es an denjenigen, die oben auf dem Balken sitzen“, ob die Nation Erfolg hat und sich an Regeländerungen anpassen kann oder nicht. Hannawald nahm damit auch die Athleten in die Verantwortung.
Hannawald denkt gerne an Olympiasieg von Raimund zurück
Genau dieser Verantwortung wurden einige Athleten in der abgelaufenen Saison immer wieder gerecht.
Hannawald erinnert sich gerne an den Olympiasieg von Philipp Raimund zurück: „Wie der Tag dann verlief, diese Erinnerung werde ich auch in zehn Jahren noch im Kopf behalten. Es gab zum Bundestrainer-Abgang eine Krönung, die für immer in Kopf bleibt.“ Auch Springer wie Felix Hoffmann oder Pius Paschke konnten positive Akzente setzen.
Natürlich gab es laut Hannawald in den Jahren unter Horngacher auch Dinge, die man besser hätte umsetzen können. In dieser Hinsicht betonte der Experte zum Beispiel Regeländerungen, auf die sich andere Nationen schneller angepasst hätten. Aber im Großen und Ganzen war „das Gesamtpaket über die gesamten Jahre eine tolle Ära.“
Hannawald: „Nur bestes Material darf nicht gewinnen“
Hannawald nahm in der vergangenen Saison oft kein Blatt vor den Mund: Sei es bei der Kritik an der Punktevergabe der Jury, an allgemeinen Jury-Entscheidungen oder an den Anzugsregelungen. Auch zum Abschluss wurde er deutlich, als es um die Zukunft des Skispringens geht und ob die Änderungen dazu führen, dass der Skispringer selbst wieder wichtiger als das Material wird.
„Es muss ein Zwischenspiel bleiben. In der Formel 1 gab es ja auch Zeiten, wo du jeden Fahrer ins beste Auto setzen kannst, und der wurde dann Weltmeister. So darf es nicht sein, sondern am Ende musst du ein Zwischenspiel zwischen Material und Mensch finden. Nur bestes Material darf nicht gewinnen. Und wenn du andererseits ein Ultratalent hast, der die nächsten zehn Jahre bestimmt, ist es vielleicht auch langweilig“, sagte Hannawald.
Zum Saisonende ließ sich die Skisprung-Legende aber auch noch zu einem echten Lob hinreißen. „Wie sich das Skispringen der Frauen entwickelt hat, finde ich toll. Es war gut, dass man die Ruhe bewahrt hat und Schritt für Schritt gegangen ist“, fasste Hannawald die Entwicklung der letzten Jahre zusammen: „Ich freue mich jetzt tierisch wie ein kleines Kind auf die erste gemeinsame Tournee mit den Frauen„, fügte er hinzu.
Sein Fazit dazu lautet: „Das geht Schritt für Schritt absolut in die richtige Richtung. Und das ist dann das große Lob von mir an die FIS.“