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Er galt als kommender Megastar bei WWE - nun ist er tief gefallen

Der tiefe Fall eines WWE-Stars

Dem Legendensohn Ted DiBiase Jr. wurde bei WWE einst eine Mega-Karriere prophezeit. Während seine Weggefährten umjubelte Topstars wurden, steht er aktuell aufgrund schwerer Skandal-Vorwürfe vor Gericht.
Brock Lesnar verbündet sich bei WWE Monday Night RAW nach WrestleMania scheinbar mit Cody Rhodes - nur um sich dann gegen ihn zu wenden.
Dem Legendensohn Ted DiBiase Jr. wurde bei WWE einst eine Mega-Karriere prophezeit. Während seine Weggefährten umjubelte Topstars wurden, steht er aktuell aufgrund schwerer Skandal-Vorwürfe vor Gericht.

Er war ein Wrestling-Star der dritten Generation, so wie Dwayne „The Rock“ Johnson. Und er schien auserkoren, eine ähnlich Fabelkarriere hinzulegen.

Er war Tag-Team-Partner des jungen Cody Rhodes, dem amtierenden WWE-Champion, der in wenigen Wochen gegen den gemeinsamen Mentor Randy Orton einen der Hauptkämpfe der Megashow WrestleMania 42 bestreiten wird. Und DiBiases Zukunftsaussichten galten früher sogar als noch besser. DiBiase war einst sogar im Gespräch als der Mann, dem die historische Ehre zu Teil werden würde, eines Tages die legendäre Mania-Siegesserie des Undertakers zu beenden.

Es kam anders: Ted DiBiase Jr. - Sohn des „Million Dollar Man“ Ted DiBiase, dem Älteren - erfüllte die hochgesteckten Erwartungen nicht und hat seine Ringlaufbahn seit vielen Jahren beendet.

Inzwischen ist der 43 Jahre alte DiBiase aus anderen, trüben Gründen in den Schlagzeilen: Er steht aktuell im US-Bundesstaat Mississippi vor Gericht, weil ihm vorgeworfen wird, maßgeblich an einem kriminellen Millionen-Betrug auf Kosten bedürftiger Menschen beteiligt gewesen zu sein. Ihm droht eine lange Haftstrafe, die sich theoretisch auf lebenslänglich summieren könnte.

Ex-WWE-Star in denselben Skandal verwickelt wie Brett Favre

DiBiase wird beschuldigt, unter den Nutznießern des großen Skandals um die Zweckentfremdung staatlicher Gelder im US-Bundesstaat Mississippi gewesen zu sein. Der Vorwurf einer Verwicklung in das Netzwerk von Geschäftemachern, die sich mit für die Armenhilfe bestimmten Millionen privat bereichert haben sollen, hatte unter anderem auch NFL-Legende Brett Favre in Verruf gebracht.

Die konkreten Anklagepunkte gegen DiBiase, die derzeit verhandelt werden: sechs Fälle von Überweisungsbetrug, Beteiligung an einer betrügerischen Verschwörung, vier Fälle von Geldwäsche, zwei Fälle von Diebstahl staatlicher Gelder.

Das Höchststrafmaß für den Überweisungsbetrug liegt bei 20 Jahren Gefängnis - für jeden der sechs Fälle. Auch für jeden einzelnen Geldwäsche-Fall drohen zehn Jahre Knast, fünf weitere für die betrügerische Verschwörung. Im Fall einer Verurteilung drohen DiBiase theoretisch also eine virtuelle 160-Jahres-Strafe.

Kern der Sache, jenseits der formaljuristischen Kategorien: DiBiase wird vorgeworfen, hinter einer Scheinexistenz als Wohltäter Millionen Dollar für sein Privatvergnügen abgezweigt zu haben - ohne dafür eine nennenswerte Gegenleistung zu erbringen.

Ted DiBiase soll sich mit Geldern für die Armutshilfe bereichert haben

Zentrale Figur des Skandals ist John Davis, ehemaliger Geschäftsführer des Sozialministeriums von Mississippi: Ihm wird vorgeworfen, staatliche Gelder für die Armutshilfe abgezweigt und Scheinverträge mit diversen Unternehmen abgeschlossen zu haben, die nie vorgehabt hätten, sie für Bedürftige einzusetzen.

DiBiases Firmen Familiae Orientem LLC und Priceless Ventures LLC sollen darunter gewesen sein, mit dem ihm zugeschanzten Geld - angeblich mehrere Millionen Dollar - soll sich DiBiase unter anderem ein Boot gekauft sowie ein Haus, ein Auto und andere Privatausgaben finanziert haben.

Die Vorwürfe gegen DiBiase waren schon vor Jahren im Zuge einer Zivilklage publik geworden, das Ministerium erklärte damals, dass mehrere Mitglieder seiner Familie der Behörde hohe Geldbeträge schulden würden, auch der berühmte Vater Ted Sr.

Dem „Million Dollar Man“, der sich nach seiner Karriere ein zweites Leben als christlicher Prediger aufgebaut hat, soll von 1,9 Millionen Dollar an illegalen Geldern profitiert haben, Sohn Ted Jr. habe 2,9 Millionen eingestrichen, Bruder Brett 824.000 Dollar.

Brett DiBiase hatte eine Führungsposition im Sozialministerium und hat sich schuldig bekannt, betrügerische Angaben gemacht zu haben. Ein Teil der abgezweigten Gelder ging auch in die Kirchengemeinde des prominenten Vaters.

DiBiase Sr. hat die Vorwürfe als unbegründet zurückgewiesen und sieht seine Familie als Opfer übereifriger Ermittler, die sich auf ihre Kosten einen Namen machen wollten: „Wenn ich keinen berühmten Namen hätte, hätten sie sich nicht mit mir beschäftigte“, sagte er in einem Interview.

WWE-Karriere hob nie so an wie gedacht

Ted DiBiase Jr. stand zwischen 2006 und 2013 unter WWE-Vertrag, er galt als großer Hoffnungsträger, nicht zuletzt wegen der Hall-of-Fame-Karriere seines Vaters, der in den Achtzigern einer der markantesten Rivalen von Superstar Hulk Hogan gewesen war.

Der Vorschusslorbeer für den Sohn war so groß, dass der Wrestling Observer 2008 von Gedankenspielen berichtete, DiBiase als „Endgegner“ für den ikonischen WrestleMania-Streak in Position zu bringen - die Rolle, die dann stattdessen 2014 Brock Lesnar bekam (Undertaker vs. Brock Lesnar: Der WrestleMania-Schocker lief übel schief).

DiBiase Jr. bildete bei WWE mit den anderen beiden Legendensöhnen Randy Orton und Cody Rhodes die Gruppierung Legacy und bestritt mit dieser eine größere Fehde gegen die Legenden Shawn Michaels und Triple H. Auch ins Filmgeschäft schnupperte DiBiase schon rein, beerbte 2008 John Cena als Hauptdarsteller in der Fortsetzung des von WWE produzierten Action-Films „The Marine“.

Aus Gründen, über die manche Fans bis heute rätseln, gelang es DiBiase jedoch nie, sein Potenzial auszuschöpfen. 2013 verkündete DiBiase seinen Abgang, um „andere Projekte“ in der freien Wirtschaft zu verfolgen. Er erklärte damals, dass auch psychische Probleme mit Depressionen und Angstzuständen seine WWE-Karriere behindert hätten.

Danach vermittelte der zweifache Familienvater immer wieder den Eindruck, dass es ihm in seinem neuen Leben gut ergangen ist. Nun kämpft er um seinen Ruf und seine bürgerliche Existenz.