Hierzulande war er nicht so bekannt wie die Wrestlerkollegen aus der WWE. In Mexiko aber war Pedro Aguayo Ramirez, genannt El Hijo del Perro Aguayo, einer der größten Stars des Schaukampfgewerbes.
Als ein Match von WWE-Ikone Rey Mysterio tödlich endete
Als Rey Mysterios 619 tödlich endete
Weil Wrestling dort Volkssport ist, berichteten die Medien des Landes in großen Titelgeschichten, als der nur 35 Jahre alte Aguayo am 21. März 2015 – heute vor elf Jahren – nach einem Kampf gegen den langjährigen WWE-Star Rey Mysterio ums Leben kam.
Weil Aguayo im Ring gestorben ist, machte sein Fall aber auch in Deutschland größere Schlagzeilen – nicht zuletzt deshalb, weil er den Sport betrieben hatte, in dem sich damals auch Ex-Nationalkeeper Tim Wiese versucht hatte.
Für WWE-Idol Mysterio war Aguayos tödlicher Ringunfall das zweite große Trauma seiner Karriere, knapp zehn Jahre nach dem plötzlichen Herz-Tod seines guten Freundes Eddie Guerrero.
Perro Aguayo Jr.: Ein tragischer Wrestling-Tod
Der am 23. Juli 1979 geborene Aguayo – Sohn der vier Jahre nach ihm verstorbenen Mexiko-Legende Perro Aguayo Sr. – sollte in dem Kampf der mexikanischen Liga CRASH in Tijuana den 619 einstecken, eine berühmte Aktion seines Gegners Rey Mysterio – zu dessen Vorbereitung der Gegner per Sprungtritt mit dem Halsbereich voran in die Seile befördert wird.
Bei genau diesem Manöver verletzte sich Aguayo. Unklar ist nur, ob beim Tritt oder – was wahrscheinlicher ist – durch den Zusammenprall mit dem Seil, entweder bei seiner eigenen Landung oder der seines Partners Manik, der die Aktion mit ihm einstecken sollte.
Todesursache war nach Aussage des behandelnden Arztes Herzstillstand infolge eines Wirbelsäulentraumas. Aguayo wurde noch in ein örtliches Krankenhaus gebracht und erst um 1 Uhr nachts für tot erklärt, eine Obduktion ergab später, dass Aguayo praktisch unmittelbar nach der missglückten Aktion tot war.
Das Match wurde nicht abgebrochen
Auf dem Video der Veranstaltung ist zu sehen, dass Gegner und Partner Aguayos Verletzung spätestens in dem Moment realisierten, als der Mysterios Aktion nicht wie geplant auswich.
Die Show setzten sie nach kurzem Zögern trotzdem noch rund eine Minute fort, der am Ring anwesende Wrestler und Promoter Konnan versuchte währenddessen, erste Hilfe zu leisten.
Die staatliche Athletikkommission, die bei Wrestlingveranstaltungen über den Gesundheitsschutz wacht, fand das so in Ordnung: „Der Ruf nach medizinischer Versorgung war schnell, meiner Meinung nach“, sagte Juan Carlos Pelayo, ihr Präsident, bei einer Pressekonferenz.
Unüblich ist das Weiterkämpfen nicht: Es ist im Gewerbe Sitte, auch bei echten Verletzungen den Kampf nicht sofort abzubrechen, sondern stattdessen ein schnelleres Ende des Matches zu improvisieren. Die Show muss weitergehen, der Schein gewahrt werden – die Einstellung ist im Wrestling tief verankert.
Rey Mysterio bekam Morddrohungen
Einzelne Fans werfen Gegner Rey Mysterio – der damals für eine Weile nicht bei WWE aktiv war – vor, Aguayo „getötet“ zu haben, es gab deshalb gar Morddrohungen gegen Mysterio. Eine korrekte Einordnung des Passierten ist das nicht.
Jede Aktion in den Showkämpfen basiert auf einem Miteinander der Gegner: Einer teilt die Aktion aus, einer steckt sie ein, Fehler können folglich die des einen, des anderen, von beiden oder ein schlichter Unfall sein. Es sieht in dem Fall alles nach Letzterem aus, zumal Mysterio in der Szene als Wrestler gilt, der auf vorbildhafte Weise „safe“ kämpft, das Verletzungsrisiko also so gering wie möglich hält.
Der am Boden zerstörte Mysterio wohnte Aguayos Beerdigung ohne Maske bei und fungierte als Sargträger.
Totschlags-Untersuchung wurde eingestellt
Die andere Frage ist die, ob der Tod Aguayos durch eine bessere Versorgung hätte verhindert werden können.
Schief lief tatsächlich einiges: Der Ringarzt konnte sich nicht direkt um Aguayo kümmern, weil der noch einen anderen Wrestler behandelte. Auch eine Trage zur Stabilisierung des verletzten Nackens stand deshalb nicht zur Verfügung, Aguayo wurde auf einer Holzplatte abtransportiert.
Unglücklich auch: Wrestlerkollege Konnan, der sich als erstes um Aguayo kümmerte, versuchte den Bewusstlosen mehrfach durch Schütteln zu Bewusstsein zu bringen – ohne zu merken, dass der Nackenbereich das Problem war.
Letztlich kam ein Gerichtsmediziner aber zum Schluss, dass auch die bestmögliche medizinische Versorgung Aguayo wohl nicht mehr geholfen hätte. Eine Totschlags-Untersuchung gegen die Verantwortlichen der Show wurde eingestellt.
Der vielfach eingeübte 619 endete tödlich
Die Umstände von Aguayos Tod zeigen, dass sich die Gefahr für Leib und Leben im Wrestling nur verringern, aber nicht ausschließen lässt.
Aguayo war ein Veteran mit zwei Jahrzehnten Ringerfahrung, Gegner Mysterio – mit inzwischen 51 Jahren noch immer bei WWE aktiv – ist noch länger im Geschäft. Seine 619-Aktion, die populärste in seinem Repertoire, war tausendfach eingeübt und ausgeführt. Das Restrisiko, dass eine Aktion einen ungeplanten, im schlimmsten Fall tödlichen Verlauf nimmt, lässt sich schlicht nicht wegtrainieren.
„Wir alle riskieren unser Leib und Leben, um zu unterhalten“, sagt der britische Wrestler Nick Aldis – heute bekannt als General Manager der WWE-Show SmackDown – seinerzeit als Reaktion auf die Aguayo-Tragödie.
Es ist leider mehr als eine Floskel.