Mitten im größten Festwochenende der Wrestling-Welt ist am Sonntag eine traurige Nachricht öffentlich geworden: Der ehemalige Showkampfstar Van Hammer, der beim früheren WWE-Rivalen WCW einst als großer Hoffnungsträger gegolten hatte, ist im Alter von 66 Jahren verstorben.
Wrestling-Hüne der Neunziger tot: Er galt einst als kommender Superstar
Wrestling-Hüne der Neunziger tot
Hammers langjähriger Freund und Kollege Marc Mero verbreitete die Meldung am Sonntag, wenige Stunden vor Beginn des zweiten WrestleMania-Abends in Las Vegas. Über die genauen Todesumstände ist noch nichts bekannt.
Ex-WWE-Rivale WCW versprach sich von Van Hammer viel
Mark Ty Hildreth, wie Hammer eigentlich hieß, wurde im Jahr 1991 von WCW entdeckt – erst kurz nachdem der ehemalige Navy-Seemann sein Wrestling-Training aufgenommen hatte.
Hammer war ein Schüler von Boris Malenko (Vater des späteren WCW- und WWE-Stars Dean Malenko) und Dan Spivey (mit seiner finsteren Figur Waylon Mercy ein Vorbild des tragisch verstorbenen Bray Wyatt). Er fiel dem damaligen WCW-Kreativchef Dusty Rhodes – Vater des heutigen WWE-Champions Cody Rhodes – bei einer regionalen Independent-Show auf und wurde zu einem Probetraining mit eingeladen.
Hammer und Mero (Johnny B. Badd) kämpften gemeinsam vor und erhielten Verträge, sie wurden im damaligen WCW-Kader Teil einer damals jungen Generation späterer Topstars: Kevin Nash, Scott Hall, Diamond Dallas Page, Scotty Flamingo (Raven), „Cactus Jack“ Mick Foley.
Der 1,98 Meter große Hammer stach mit seiner Größe, seiner Muskulatur und seinem Langhaar-Look ins Auge. Rhodes sah das Potenzial, den Neuling ganz groß herauszubringen – es klappte nicht wie erhofft.
Bei den Fans kam er nicht an wie erhofft
Als Rockstar-Charakter „Heavy Metal“ Van Hammer wurde der Hüne mit der E-Gitarre bei WCW mit einer längeren Siegesserie als dominanter Shootingstar eingeführt – früher, als er dafür bereit gewesen wäre. Hammer sei „grün wie die Hölle gewesen“, erinnert sich Weggefährte Page in einem längeren Nachruf auf den verstorbenen Kumpel.
Bei den Fans kam der unerfahrene Hammer nicht recht an, seine Karriere hob nicht ab. Die Leser des Fachblatts Wrestling Observer wählten ihn am Ende des Jahres 1991 zum „peinlichsten Wrestler“ des Jahres.
Observer-Chef und Szeneguru Dave Meltzer berichtet in seinem aktuellen Podcast auch, dass auch viele damalige Kollegen Unmut hegten, weil Hammer so früh einen so großen „Push“ der Ligaverantwortlichen bekam.
Besagter Push wurde bald gebremst und von dem schnellen Absturz nach dem frühen Höhenflug erholte sich Hammers Karriere letztlich nie.
Von der Wrestling-Bühne zuletzt verschwunden
Hammer verließ WCW zwischenzeitlich und bewarb sich bei WWE (damals: WWF), wurde nach mehreren Probekämpfen aber nicht engagiert. Er kam mehrere Male zu WCW zurück und trat in der zweiten Hälfte der Neunziger als Mitglied der Gruppierungen Raven’s Flock und Misfits in Action auf.
Das letzte WCW-Engagement Hammers endete einige Monate vor dem Untergang der Liga im Frühjahr 2001, danach war er nur noch selten bei kleineren Ligen zu sehen, hauptsächlich in seinem Heimatbundesstaat Maryland.
Seinen letzten, aus heutiger Sicht beklemmenden Auftritt absolvierte Hammer 2009 für die Liga Maryland Championship Wrestling gegen den lokalen Wrestlerkollegen Champ Champagne. Champagne provozierte Hammer im Vorfeld wegen dessen Ähnlichkeit mit der von Mickey Rourke verkörperten Filmfigur Randy „The Ram“ Robinson aus „The Wrestler“. Hammer sei eine ähnlich abgehalfterte Figur.
Trübe Schlagzeilen im Jahr 2020
Tatsächlich hatte Hammer viele Jahre lang persönliche Probleme. „Er hat mit der Sucht gekämpft, wie viele der Jungs“, berichtet Page. Vor etwas mehr als zehn Jahren sei Hammer aber „weitgehend“ clean geworden und hätte ein neues Leben als Verkäufer in einem Fenster- und Türengeschäft in Florida begonnen: „Er war ein toller Verkäufer – ohne Scheiß: Er hätte Eskimos Eis angedreht.“
Zu Beginn des Jahres 2020 schrieb Hammer nochmal trübe Schlagzeilen: Er verursachte unter Alkoholeinfluss einen Unfall, bei dem er mit seinem Auto mit überhöhter Geschwindigkeit einen Jungen auf einem Fahrrad anfuhr. Er wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
„Das Leben hat ihn vor einige Herausforderungen gestellt, aber er war der Typ, der immer wieder aufgestanden und nach vorn geblickt hat“, umschrieb Mero die dunklen Stunden seines alten Freundes – und sprach den Angehörigen und Fans des verstorbenen Hünen sein Beileid aus.