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Wie ein Tennis-Wunderkind tief fiel

Wie ein Tennis-Wunderkind tief fiel

Jennifer Capriati verblüffte als Teenager die Tenniswelt und stürzte früh ab. Auf ein erstaunliches Comeback folgten weitere Aufs und Abs. Heute vor 25 Jahren gewann sie ihren ersten Grand-Slam-Titel.
Jennifer Capriati gewann 2001 die Australian Open
Jennifer Capriati gewann 2001 die Australian Open
© IMAGO/Claus Bergmann
Jennifer Capriati verblüffte als Teenager die Tenniswelt und stürzte früh ab. Auf ein erstaunliches Comeback folgten weitere Aufs und Abs. Heute vor 25 Jahren gewann sie ihren ersten Grand-Slam-Titel.

Sie war das Wunderkind schlechthin im Tennis – und bei keinem war das Wort „Kind“ so wörtlich zu nehmen. 13 Jahre alt war sie, als sie ihr Profi-Debüt feierte. 14 Jahre, als sie bei den French Open einen historischen Halbfinal-Coup feierte.

15 Jahre, als sie in Wimbledon die große Martina Navratilova schockte. 16 Jahre, als sie in Barcelona Olympia-Gold gegen Steffi Graf holte. 17 Jahre alt, als sie tief fiel und sich zwischenzeitlich vom Sport zurückzog, 18 Jahre alt, als sie verhaftet wurde und in Drogentherapie ging.

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Die Geschichte von Jennifer Capriati gilt bis heute als mahnendes Beispiel dafür, was passieren kann, wenn ein außergewöhnliches Talent zu früh auf die große Bühne gedrängt wird. Zugleich ist sie aber auch eine bemerkenswerte Comeback-Geschichte – eine, die heute vor 25 Jahren bei den Australian Open in den ersten Grand-Slam-Titel ihrer Karriere mündete.

Jennifer Capriati schrieb als Teenagerin Tennis-Geschichte

Die in New York geborene, italienischstämmige Capriati hatte elf Jahre zuvor am selben Ort ihr erstes großes Ausrufezeichen bei einem Major-Turnier gesetzt.

Bei den French Open 1990 drang die junge Pionierin des Power-Tennis gleich bei ihrem Debüt bis ins Halbfinale vor, als jüngste Spielerin der Geschichte. Sie schaltete dabei unter anderem die an 7 gesetzte Landsmännin Mary Joe Fernandez aus - und fand erst in der späteren Turniersiegerin Monica Seles ihre Meisterin.

Im selben Jahr folgte für Capriati der erste Turniersieg und der Einzug in die Top 10, wo sie sich auch in den darauffolgenden Jahren festsetzte: Ein weiteres Kapitel Grand-Slam-Geschichte gelang 1991 in Wimbledon, wo Capriati im Viertelfinale Idol Navratilova herauswarf und dann an Gabriela Sabatini scheiterte. Auch bei den US Open im selben Jahr ging es bis ins Halbfinale. (HINTERGRUND: Das wurde aus Gabriela Sabatini)

Die vorläufige Krönung folgte bei Olympia 1992 in Barcelona, wo Capriati im Halbfinale Lokalmatadorin Arantxa Sánchez-Vicario und danach Titelverteidigerin Graf ausschaltete. (Der tiefe Fall der Arantxa Sánchez-Vicario)

Der große Bruch in Capriatis Karriere begann bei den US Open 1993, als Capriati eine überraschende Erstrunden-Niederlage gegen Leila Meshki kassierte.

Ladendiebstahl-Eklat, Verhaftung, Drogen-Therapie

In der Folge offenbarten sich tieferliegende Probleme, mit dem frühen sportlichen Ruhm umzugehen. Capriati klagte über Burnout-Symptome und Frust über die Dauerbeobachtung durch Medien und Öffentlichkeit - die ihr im Dezember 1993 noch bewusster wurde.

Capriati beging damals – nach eigenen Angaben versehentlich - einen Ladendiebstahl in einem Einkaufszentrum in Florida. Sie verließ ein Juweliergeschäft mit unbezahlten Billigringen am Finger. Ihrer Darstellung zufolge hatte sie die Modeobjekte anprobiert und schlicht vergessen, sie abzulegen. Weltweite Schlagzeilen waren die Folge.

Rückblickend erklärte Capriati, dass der Vorfall ein Schlüsselerlebnis war, das sie in einer Trotzreaktion dazu brachte, ihre Tenniskarriere schleifen zu lassen und sich auf „Party mit Freunden“ zu konzentrieren.

Im Mai 1994 folgte ein weiterer, vielbeachteter Tiefpunkt: Sie wurde wegen Marihuana-Besitzes verhaftet und ging in eine Drogentherapie. Später berichtete sie von Suizidgedanken wegen des sie überfordernden Trubels.

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Anmerkung der Redaktion: Wenn Sie sich selbst von Depressionen und Suizidgedanken betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in zahlreichen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.

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Erstaunliches Comeback bei French Open gekrönt

In den Jahren 1994 und 1995 spielte Capriati insgesamt nur ein Tennis-Match, nach ihrem Comeback 1996 schien sie ihre alte Klasse verloren haben, scheiterte drei Jahre lang bei jedem Major-Turnier, bei dem sie antrat, in Runde eins oder zwei.

Ab dem Jahr 1999 verblüffte Capriati die Tennis-Fans dann aber mit einem zweiten Frühling und der Rückkehr in die Weltspitze – wo ihr schließlich auch neue Meilensteine gelangen.

Im Jahr 2001 gewann Capriati schließlich die Australian Open – ihr erster Grand-Slam-Titel. Genau heute vor 25 Jahren setzte sie sich im Endspiel mit 6:4, 6:3 gegen Martina Hingis durch.

Am 9. Juni 2001 folgte bei den French Open in Paris ein denkwürdiger Drei-Satz-Finalsieg gegen Kim Clijsters (1:6, 6:4, 12:10). Wenige Monate später stieg Capriati erstmals zur Nummer 1 der Weltrangliste auf und bekam den Laureus Award für das Sport-Comeback des Jahres.

Capriati siegte auch 2002 in Melbourne und blieb bis zu ihrem Karriere-Ende 2004 auf Top-Niveau.

Jennifer Capriati lebt heute in Florida

Das Leben Capriatis blieb auch nach ihrer Cinderella-Story nicht frei von weiteren Aufs und Abs: 2010 beunruhigten neue Schlagzeilen, dass Capriati wegen einer als „versehentlich“ beschriebenen Medikamenten-Überdosis in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste.

2013 wurde Capriati wegen eines Vorfalls am Valentinstag angeklagt: Sie soll ihren Ex-Freund verfolgt und geschlagen haben, sie bekam Sozialstunden und den Besuch eines Kurses für „Wut-Management“ aufgebrummt. Aufmerksamkeit erregte sie auch 2016 mit ihrer verärgerten Reaktion auf die Doping-Affäre um Maria Scharapowa.

Die inzwischen 49 Jahre alte Capriati lebt heute ein eher zurückgezogenes Leben in Florida.