Am Rande der French Open in Paris hat die ukrainische Tennisspielerin Oleksandra Olijnykowa mit deutlichen Aussagen zum russischen Angriffskrieg für Aufsehen gesorgt – auch, weil diese zum Teil ihrer Gegnerin galten, der Russin Diana Schnaider.
Emotionale Worte bei French Open: "Wir können nicht wegsehen"
Emotionale Rede bei den French Open
Am Samstag waren die beiden in der dritten Runde des prestigeträchtigen Sandplatz-Turniers aufeinandergetroffen, Schnaider gewann mit 7:5, 6:1. Auf der Pressekonferenz nach der Partie ließ Olijnykowa dann aufhorchen: „Bevor wir beginnen, möchte ich eine kurze Erklärung verlesen, da ich eine sehr wichtige Mitteilung zu machen habe“, stotterte sie.
Emotionale Worte: „Wir können nicht wegsehen“
„Ich weiß, dass manche es vorziehen würden, wenn ich schweige. Aber bei dem, was ich tue, geht es nicht um Politik, sondern um Menschlichkeit“, appellierte die 25-Jährige in Bezug auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Olijnykowa las die Worte mit stockender Stimme von ihrem Smartphone ab.
„Wenn Menschen getötet werden, wenn Kinder sterben, wenn Gewalt gerechtfertigt oder gefeiert wird, können wir nicht so tun, als würde nichts geschehen“, sagte sie. „Wir können nicht wegsehen. Wir können diejenigen nicht schützen, die solche Handlungen unterstützen.“
Ihre Attacke richtete sich auch unmissverständlich gegen russische und belarussische Spielerinnen: „Die wollen gar nicht kommunizieren. Sie vertreten diese schrecklichen Ansichten. Genau das ist die Situation, die wir derzeit auf der Tour vorfinden“, befand die Nummer 65 der ATP-Weltrangliste.
French Open: Oliynykova mit schweren Vorwürfen
„Meiner Meinung nach ist dies etwas, das wir im Profisport nicht länger hinnehmen dürfen. Wenn sie nicht zuhören wollen und weiterhin diese Propaganda verbreiten, dann sollte es auf unserer Tour einen Mechanismus geben, um dem Einhalt zu gebieten“, erklärte Olijnykowa weiter.
Dass das Match zwischen der Ukrainerin und der Russin politisch aufgeladen sein würde, hatte sich bereits im Vorfeld angedeutet. Olijnykowa hatte Schnaider Treue zum russischen Präsidenten Wladimir Putin vorgeworfen und ihr vorgehalten, bei einem vom russischen Staatskonzern Gazprom gesponserten Event mitgespielt zu haben.
Gazprom sei ein Unternehmen, „das Kriegsverbrechen finanziert“, hatte die Ukrainerin gesagt und Vergleiche zu Nazideutschland und dem Holocaust gezogen.
Die Russin Schnaider wollte sich nicht zum Angriffskrieg Putins äußern, der seit Februar 2022 läuft. Sie sei nur in Paris, „um Tennis zu spielen“. Ihre Teilnahme am Gazprom-Event begründete sie damit, dass das die einzige Gelegenheit sei, im vollen Terminkalender der Tour ihre Familie zu sehen.