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Diese elendige Frage muss Alexander Zverev nie wieder hören

Zverev muss sich nicht entschuldigen

Alexander Zverev belohnt sich mit dem ersten Grand-Slam-Titel seiner Karriere. Der Erfolg bei den French Open ist redlich verdient. Ein Kommentar.
Alexander Zverev gewinnt erstmals in seiner Karriere ein Grand-Slam-Turnier. Damit reiht er sich in eine elitäre deutsche Riege ein.
Alexander Zverev belohnt sich mit dem ersten Grand-Slam-Titel seiner Karriere. Der Erfolg bei den French Open ist redlich verdient. Ein Kommentar.

Es ist geschafft. Alexander Zverev ist Grand-Slam-Sieger. Endlich, wird sich der Hamburger denken. Denn als Zverev vor 13 Jahren als 16-Jähriger sein Debüt auf der ATP-Tour gab, sahen viele in ihm bereits eine zukünftige Nummer 1 und einen Grand-Slam-Sieger – unter anderem er selbst.

Doch Zverev, der einst sagte, dass Geduld früher nicht zu seinen Stärken zählte, musste auf die harte Tour lernen, dass einen Talent und harte Arbeit allein nicht zum Grand-Slam-Sieger machen. Besonders deutlich wurde dies bei seinem ersten Grand-Slam-Finale bei den US Open 2020, als er trotz Zwei-Satz-Führung und eines Aufschlagspiels zum Matchgewinn am Ende noch unterlag.

Zverev geht Sinner, Alcaraz und Djokovic aus dem Weg

Im Nachhinein war es wohl besser so, denn Zverev wirkte damals bedingt bereit für das ganz große Rampenlicht. Sein Spiel hatte klare Baustellen, in kritischen Situationen verlor er oft die Nerven, was teils in unschönen Ausrastern endete. Insofern hätte er damals für viele nur davon profitiert, dass Roger Federer sowie Rafael Nadal fehlten und Novak Djokovic disqualifiziert worden war. 

Nun hat sich die Geschichte bei den diesjährigen French Open zumindest teilweise wiederholt. Denn genau wie damals musste Zverev bis zum Finale gegen keinen Top-20-Spieler antreten und auch nicht gegen die neuen Dominatoren Jannik Sinner und Carlos Alcaraz sowie den ewigen Djokovic. Dieses Trio hatte die letzten 15 Grand Slams gewonnen und Zverev dabei regelmäßig geschlagen.

Zverev hat sich den Titel bei den French Open redlich verdient

Diesmal war sein Finalgegner Flavio Cobolli – und dem Italiener merkte man die mangelnde Erfahrung in großen Matches vor allem in Satz 1 und 5 deutlich an. Doch der im späteren Matchverlauf körperlich angeschlagene Zverev bewies großen Kampfgeist, und wer seinen Erfolg ohne Alcaraz und Sinner als geschenktes Zufallsprodukt abtun will, irrt sich.

Ja, auch Zverev kämpfte im Finale zeitweise (!) mit seinen Nerven und es mag gut sein, dass Sinner oder Alcaraz ihm an Cobollis Stelle erneut seine Grenzen aufgezeigt hätten. Doch wie Nadal einst bereits sagte: „If, if, if – doesn’t exist“. Und anders als noch beim Finale vor knapp sechs Jahren hat sich Zverev den Titel diesmal auf andere Art redlich verdient.

Das wird deutlich, wenn man auf Zverevs einstige große Rivalen seiner Generation blickt. Daniil Medvedev, Stefanos Tsitsipas und Andrey Rublev galten ebenfalls als große Versprechen, doch einzig Medvedev gewann bisher einen Grand-Slam-Titel. Doch während das Trio über die Jahre immer mehr zu kämpfen hatte, schaffte es Zverev, sich bis heute in der Weltspitze zu halten.

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Auch als Alcaraz und Sinner dem Rest zu enteilen drohten, war Zverev neben dem nur noch selten auftauchenden Djokovic der einzige Spieler, der wirkliche Gegenwehr leistete. Damit das gelingt, hatte der 29-Jährige im Winter hart an sich gearbeitet, seine Vorhand entscheidend verbessert und seine defensive DNA zumindest teilweise überschreiben können.

Das machte die Aufgabe für Zverev nicht leichter

Obwohl Zverev gegen Sinner und Alcaraz seit 2024 nicht mehr gewinnen konnte, war er so zur klaren Nummer 3 aufgestiegen. Nun hieß es geduldig zu bleiben – und zur Stelle sein, wenn sich doch eine Tür öffnet. Dass dies in Paris so früh im Turnierverlauf passierte und Zverev von da an die klare Favoritenrolle innehatte, machte die Aufgabe aber nicht leichter.

„Jetzt oder nie“, lautete die Devise, die auch Zverev kannte. Viele erwarteten daher, dass er erneut am Druck zerbrechen und die große Chance nicht nutzen würde. Stattdessen bewies Zverev, dass er nicht mehr die gleiche Person wie früher ist. Reifer, mental stärker und spielerisch variabler präsentierte sich Zverev über die zwei Wochen und belohnte sich dafür mit dem langersehnten Major-Titel.

Zverevs Geduld hat sich endlich ausgezahlt

Dass Zverev nun zum Serien-Champion wird und Sinner sowie Alcaraz entthront, sollte man dennoch nicht erwarten. Zverev bleibt – abseits des ungeliebten Rasens – der erste Herausforderer der beiden Ausnahmekönner. 

Mancher mag es als Makel sehen, dass er diese auf dem Weg zu seinem ersten Grand-Slam-Sieg nicht besiegen musste. Doch dafür kann Zverev nichts – und es ist auch eine Fähigkeit, da zu sein, wenn sich eine Chance bietet.

Diese hat Zverev unter Beweis gestellt, weshalb er eine elendige Frage nun nie wieder hören muss: Ist er der beste Tennisspieler der Geschichte ohne Grand-Slam-Titel?

Seine Geduld hat sich endlich bezahlt gemacht.