Er hat es tatsächlich geschafft! Alexander Zverev hat bei den French Open in Paris triumphiert und den erlösenden ersten Grand-Slam-Titel geholt. Der erste deutsche Major-Sieger seit Boris Becker bei den Australien Open 1996. Damit krönt Tokio-Olympiasieger Zverev seine überaus erfolgreiche Karriere.
French Open: Alexander Zverev krönt sich zum Grand-Slam-Champion!
Das sagt Becker zu Zverevs Triumph
Im Finale auf dem Court Philippe-Chatrier setzte sich Zverev vor prominenten Zuschauern und Größen des Sports in fünf packenden Sätzen und nach einem heroischen Kampf gegen den Italiener Flavio Cobolli mit 6:1, 4:6, 6:4, 6:7 (5:7) und 6:1 durch.
Für Zverev geht ein Traum in Erfüllung
Die Freude bei Zverev war grenzenlos, die Erschöpfung nach dem dramatischen Endspiel stand ihm ins Gesicht geschrieben. Der Weltranglistendritte ließ sich auf den Sandplatz fallen, begann hemmungslos zu weinen, konnte sein Glück kaum fassen. Nach 24 ATP-Titeln, 546 gewonnenen Einzeln und über 50 Millionen Euro Preisgeld endlich der Coup bei einem Major, der größten Bühne im Tennissport.
Cobolli zeigte sich als fairer Verlierer, kam rüber auf die andere Seite und umarmte Zverev innig. Der Deutsche winkte ins Publikum, dann ging es in die Box zu seinen Unterstützern.
Zverevs Freundin Sophia Thomalla war am Sonntag nicht vor Ort – aus einem bestimmten Grund. „Ich würde nie während eines Grand Slams auftauchen“, hatte Thomalla im Vorfeld erklärt. Dafür verfolgten Vater Alexander, Bruder Mischa und Zverevs bester Freund Marcelo Melo sowie Großmutter Natalia den Triumph aus nächster Nähe.
Becker adelt Zverev
„Ein Lebenstraum geht in Erfüllung“, sagte Becker am Eurosport-Mikrofon: „Dafür hat er, die ganze Familie so lange, so hart gearbeitet. Er hat das verdient. Wenn es ein Spieler verdient hat, nach all den Jahren der Verzweiflung und Enttäuschung. Er hat das mehr als verdient. Auch mit seiner Diabetes-Erkrankung, das geht eigentlich nicht. Das ist unglaublich. Ich bin sehr stolz auf ihn.“
Cobolli wandte sich im On-Court-Interview zunächst an Zverev: „Es ist nicht leicht, jetzt zu sprechen. Aber ich will mit dir anfangen. Wenn mich jemand fragen würde, wer den Titel mehr verdient, dann würde ich sagen: Das bist du. Ich bin glücklich für dich, aber ich bin auch traurig, weil ich nah dran war. Jetzt, wo du deinen Traum erfüllt hat: Lass‘ mich nächstes Mal gewinnen.“
Zverev erinnert sich an dramatischen Moment zurück
„Dieser Platz ist so besonders für mich, auf so viele Weisen. Ich hatte hier die besten und die schlimmsten Momente meines Lebens. Ich lag dort in der Ecke, als ich mir vor vier Jahren meine Bänder gerissen habe“, erinnerte sich Zverev. 2022 hatte er sich im Halbfinale gegen Rafael Nadal am Knöchel verletzt. Damals musste er mit dem Rollstuhl vom Platz gefahren werden.
„Jetzt ist es endlich ein Happyend. Danke an die Zuschauer. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass mich die Zuschauer in den letzten zwei Wochen gepusht haben. Ohne euch hätte ich das Turnier nicht gewonnen“, sagte der frischgebackene Champion.
Noch nie konnte ein Deutscher die French Open gewinnen. 1934 und 1936 gewann Gottfried von Cramm in Paris. 1937 holte Henner Henkel den Titel. Damals wurde das Turnier allerdings noch als „Championnat de France International de Tennis“ ausgetragen.
Roland Garros: Cobolli verlangt Zverev alles ab
Den weitaus besseren Start erwischte Zverev. Er dominierte im ersten Satz nach Belieben. Nach 35 Minuten stand ein 6:1 auf der Anzeigetafel. Dann fand Cobolli allerdings immer besser ins Spiel, während Zverev zu zaghaft agierte. Satz zwei ging an den Italiener.
Es entwickelte sich ein Duell auf Augenhöhe und Zverev war im rechten Moment zur Stelle. Beim Stand von 5:4 im dritten Durchgang gelang dem Deutschen das entscheidende Break, Cobollis Vorhand segelte ins Aus – gleichbedeutend mit dem Satzverlust.
Das Match wurde zu einem echten Kampf. Cobolli steckte nicht zurück und Zverev schien plötzlich nicht mehr ganz fit. Gegen Ende des vierten Satzes bekam er Tabletten gereicht. Auch eine Insulin-Spritze hatte sich der Typ-1-Diabetiker beim Seitenwechsel gesetzt.
Drama in Paris: Cobolli flattern die Nerven
Den vierten Satz verlor Zverev im Tiebreak. Nachdem Cobolli beim Stand von 6:4 bei einem Smash die Nerven versagten, ließ der 24-Jährige einen krachenden Vorhandwinner die Linie runter zum Satzgewinn folgen.
Vor dem fünften Satz ließ sich Zverev dann kurz behandeln. Beide Spieler waren sichtlich angeknockt. Und Cobolli flatterten schon wieder die Nerven. Zverev schleppte sich derweil regelrecht über den Platz. Doch mit letzter Kraft rettete er sich ins Ziel. Der Deutsche nutzte schließlich seinen zweiten Matchball. Schon wieder hatte Cobolli einen Schmetterball verschlagen.
French Open: Zverev bricht den Bann
Zverev landete also in seinem vierten Major-Finale endlich den lang ersehnten ersten Sieg. Die bisherigen drei Endspiele (2020 bei den US Open gegen Dominic Thiem, 2024 bei den French Open gegen Carlos Alcaraz und 2025 bei den Australian Open gegen Jannik Sinner) hatte der Hamburger allesamt verloren. Für Cobolli war es das erste Grand-Slam-Finale.
Thiem, der inzwischen seine Karriere beendet hat, verfolgte das Finale von der Tribüne aus. Alcaraz fehlte in Paris verletzungsbedingt. Sinner unterlag in der zweiten Runde nach haushoher Führung und Hitze-Drama völlig überraschend dem Argentinier Juan Manuel Cerúndolo. Rekord-Grand-Slam-Sieger Novak Djokovic scheiterte in der dritten Runde am brasilianischen Teenager Joao Fonseca. Spätestens dann war die Tür für Zverev ganz weit auf.
Am 18. April hatte Cobolli Zverev beim ATP-Turnier in München im Halbfinale noch klar in zwei Sätzen geschlagen (6:3, 6:3). Anschließend brach der Italiener in Tränen aus. Der traurige Hintergrund: Ein erst 13-jähriger Kumpel des Italieners war kurz zuvor nach einem Sturz aus dem Fenster verstorben.
Knapp zwei Wochen später siegte Zverev beim nächsten direkten Aufeinandertreffen in Madrid. Auch die ersten beiden Duelle mit Cobolli hatte der 29-Jährige gewonnen. Und auch am Sonntag, im wohl wichtigsten Match seiner Karriere, behielt Zverev die Oberhand.