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Rafa-Mania! Bringt er Zverev zu Fall?

Bringt er Zverev zu Fall?

Rafael Jódar ist der neue Stern am spanischen Tennis-Himmel. Im Viertelfinale der French Open trifft der 19-Jährige auf Alexander Zverev und kann dabei ganz besondere Fähigkeiten in die Waagschale werfen.
Alexander Zverev zeigt sich nach seinem gewonnenen Achtelfinal-Match zufrieden mit seiner Form. Auch die Hitze macht der Nummer drei der Welt nichts aus.
Conrad Fröhlich
Rafael Jódar ist der neue Stern am spanischen Tennis-Himmel. Im Viertelfinale der French Open trifft der 19-Jährige auf Alexander Zverev und kann dabei ganz besondere Fähigkeiten in die Waagschale werfen.

In ein paar Jahren soll er zum Aushängeschild des spanischen Tennis werden. Rafael Jódar legt einen kometenhaften Aufstieg hin, den Alexander Zverev vermutlich nicht stoppen kann, aber zumindest vorübergehend ausbremsen will.

Am Dienstag bekommt es der gebürtige Hamburger mit Jódar zu tun, Spaniens neuer Tennis-Hoffnung. Wird der 19-Jährige im Viertelfinale der French Open für Zverev zum Stolperstein?

Der neue Rafael Nadal?

Schon sein Vorname zaubert spanischen Tennisfans ein Lächeln auf die Lippen. „Rafaaael“, ziehen ihn die Stadionsprecher aus Spanien gerne genüsslich in die Länge. Auch das Publikum skandiert immer wieder „Rafa, Rafa“. Zum Großteil liegt das natürlich an Jódars bestechenden Leistungen, mit denen sich der Shootingstar binnen eines Jahres von Platz 686 bis in die Top 50 der Weltrangliste katapultierte.

Zum anderen schwingt natürlich die Sehnsucht bei Spaniens Tennisfans mit, den nächsten Rafael auf dem Court zaubern zu sehen. Tennis-Legende Rafael Nadal ist schließlich schon seit gut anderthalb Jahren im Ruhestand. Im November 2024 beendete „der König der French Open“ (14 Turniersiege) seine Karriere.

Zeit für einen neuen Rafa? Allzu viele Gemeinsamkeiten finden sich zwischen Jódar und Nadal eigentlich nicht. Zumindest nicht in der Spielweise. Der Youngster, ein geradliniger Allrounder, konnte seine Stärken bislang eher auf Hartplätzen ausspielen. Nadal dominierte auf der Tour als Sandplatzkönig mit extremem Topspin.

Dazu kommt: Während Nadal und auch sein Thronfolger Carlos Alcaraz für extrovertierte Auftritte bekannt sind, macht Jódar einen deutlich zurückhaltenden Eindruck.

Zverev-Gegner tritt aus Alacaraz‘ Schatten

Dass aktuell so viele Hoffnungen und Erwartungen auf dem Senkrechtstarter liegen und eine regelrechte Rafa-Mania ausgelöst wurde, ist derweil nicht einzig Jódars Qualität geschuldet. Auch, dass Titelverteidiger Carlos Alcaraz das Turnier wegen einer Handverletzung verpasste, sorgte dafür, dass Jódar noch stärker unterm Brennglas ist.

Auf dem Court lieferte er bereits haufenweise Belege dafür, dass er die hohe Erwartungshaltung schultern kann. Mit Tempo, Wucht, Risiko und einem starken Vorhand-Spiel glänzte er auch auf Sand und drückte dem Spiel mit seinem aggressiven Stil den Stempel auf.

Bereits vor knapp einem Monat trug dieser Stil Früchte. Jódar schnappte sich in Marrakesch bei seinem ersten ATP-Turnier auf Sand den Gesamtsieg.

Rafael Jódar: Ein märchenhafter Aufstieg

Als Jódar noch kaum zu den Top 700 der Welt zählte, spielte er College-Tennis in den USA. Vor einem Jahr war er der Star seines Teams an der University of Virginia. Schnell war abzusehen, dass dieses Level nicht das Ende der Fahnenstange sein sollte. Nachdem er parallel bei Challenger-Turnieren antrat, drei von ihnen gewann und sich für die Next-Gen-Finals der besten Nachwuchsspieler qualifizierte, gab er bekannt, ab 2026 voll auf der Profitour spielen zu wollen.

Gesagt, getan. Und weiterhin ging es nur steil nach oben. Dabei ist der Youngster bei öffentlichen Auftritten stets bemüht, nicht die Bodenhaftung zu verlieren. „Mein Ziel ist vor allem das: jedes Mal Freude zu empfinden, wenn ich einen Tennisplatz betrete. Mit 19 denke ich mehr als an Ergebnisse daran, mich zu verbessern“, erklärte er im Interview mit der Frankfurter Rundschau.

Zu dem zurückhaltenden, bodenständigen Eindruck, den er in der Öffentlichkeit hinterlässt, passt das enge Verhältnis zu seinem Vater (der ebenfalls Rafael heißt), der sein einziger Coach ist. Während die Boxen der anderen Tennis-Stars meist proppenvoll sind, sitzt bei Jódar dort nur der Vater. „Ich bin mit meinem Papa groß geworden, ich verdanke ihm alles. Er hat nicht aufgehört, Lehrer zu sein. Er ist mein persönlicher Lehrer geworden. Ich sehe keinen Grund, den Coach jetzt zu wechseln.“

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So findet sich doch eine entscheidende Parallele zu Rafael Nadal. Schließlich fungierte bei der Tennis-Legende ebenfalls ein Familienmitglied als Mentor. Toni Nadal, Onkel von Rafael, war dessen langjähriger Trainer und Wegbegleiter und führte ihn fast durch die komplette Profikarriere. Dass sich Jódars Trainerstab in den nächsten Jahren deutlich ausweiten wird, gilt dabei jedoch als beschlossene Sache.

Jodar wird Zverevs erster Prüfstein

Im Match gegen Zverev am Dienstag (im SPORT1-Liveticker) sitzt wie gewohnt nur sein Vater in der Box, um ihn gegen den Dritten der Weltrangliste zu unterstützen. Dass der gebürtige Hamburger als Favorit ins French-Open-Viertelfinale geht, steht außer Frage.

Bei Jódar überwiegt dabei die Vorfreude. „Es ist nicht alltäglich, dass man in einem Viertelfinale der Roland Garros gegen einen Weltranglistendritten spielt. Das sind Spiele, die man als Kind im Fernsehen schaut und davon träumt, die irgendwann zu spielen“, erklärte Jódar bei einem Medientermin.

Der Shootingstar wolle „sein Bestes geben und das Spiel genießen“ – und kann Zverev dabei richtig gefährlich werden. So wird der Deutsche wohl durchaus ab und an in der Defensive gefordert werden. Auch wegen Jódars offensivem Spielstil dürfte es der erste echte Prüfstein für Zverev bei Roland-Garros werden.

Zverevs entscheidender Vorteil?

Zum Ass im Ärmel von Zverev könnte der lange Atem werden. Schließlich ist Jódar die langen Matches der French Open noch nicht so gewohnt wie der Routinier. Außerdem hat er bereits zwei Fünf-Satz-Duelle in den Beinen.

Von einem körperlichen Vorteil wollte Zverev jedoch nichts wissen und meinte, der Spanier sei „sehr jung, der regeneriert sich, das ist noch relativ leicht in dem Alter“. So wolle Zverev sich auf sein Spiel konzentrieren und sein „eigenes Ding“ machen.

Jódar hat derweil natürlich nichts zu verlieren und wird unabhängig vom Ausgang die nächste wichtige Erfahrung sammeln. Die nächsten „Rafa, Rafa“ Sprechchöre dürften ohnehin nur eine Frage der Zeit sein.