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Zverev vs. Cobolli: Großes Finale mit dramatischer Vorgeschichte

Finale mit dramatischer Vorgeschichte

Alexander Zverev und Flavio Cobolli kämpfen in Paris um den ersten Grand Slam-Titel ihrer Karriere. Das Duell erinnert aber auch an eine tragische Geschichte.
Alexander Zverev verliert mit 6:3, 6:3 in den Sätzen gegen den Italiener Flavio Cobolli, für den das Match unter emotionalen Vorzeichen stand. Am Freitag war ein guter Freund Cobollis verstorben.
Lars Hinzberg
Alexander Zverev und Flavio Cobolli kämpfen in Paris um den ersten Grand Slam-Titel ihrer Karriere. Das Duell erinnert aber auch an eine tragische Geschichte.

Alexander Zverev oder Flavio Cobolli? Ein neuer Name wird es in jedem Fall sein, der sich am Sonntagabend in die lange Liste der French Open-Sieger einreiht – emotionale Szenen dürften daher anschließend garantiert sein. Diese gab es bereits beim direkten Aufeinandertreffen in München vor einigen Wochen zu sehen – damals allerdings mit unschönem Hintergrund.

Denn nachdem Cobolli das Halbfinale der BMW Open in München gegen Zverev gewonnen hatte, brach er in Tränen aus. Ein erst 13-jähriger Kumpel des Italieners war kurz zuvor nach einem Sturz aus dem Fenster verstorben. Wie die Gazzetta dello Sport berichtete, fand die Polizei einen Abschiedsbrief und geht von einem Selbstmord aus.

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Anmerkung der Redaktion: Wenn Sie sich selbst von Depressionen und Suizidgedanken betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in zahlreichen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten. 

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Für Cobolli war dies ein brutaler Schlag, der in ihm aber auch ungeheure Kraft freisetzte. So spielte er gegen Zverev für viele das beste Tennis seines Lebens. Wie sehr ihn die Geschehnisse und deren Verarbeitung aber gleichzeitig ausgelaugt hatten, wurde im Finale gegen Ben Shelton deutlich, als der platt wirkende Cobolli chancenlos war.

Zverev über Cobolli: „Kann auch sehr, sehr wild sein“

Cobolli brauchte danach etwas Zeit und ging auch bei der Revanche in Madrid gegen Zverev unter. Doch rechtzeitig für Paris präsentierte sich der Weltranglisten-14. wieder in Bestform und spielte sich mit starken Leistungen ins Endspiel. Favorit im Finalduell mit Zverev ist dennoch der Deutsche, der nicht umsonst die Nummer drei der Welt ist.

Ein einseitiges Match dürfte es dennoch nicht werden. „Er ist ein junger Spieler, der auch sehr, sehr wild sein kann“, sagte Zverev bereits vor dem Duell in München über seinen Kontrahenten. Tatsächlich unterliegen Cobollis Leistungen oft enorme Schwankungen. Er kann Top-5-Gegner besiegen, aber auch gegen Spieler außerhalb der Top 100 untergehen.

Der 24-Jährige besticht vor allem durch seine starke Vorhand, die auf Sand besonders gut zur Geltung kommt. Bei diesem Schlag dürfte er Vorteile gegenüber Zverev besitzen, auch wenn dieser sich hier deutlich verbessert hat. Doch in Sachen Aufschlag hat Cobolli klare Nachteile und müsste einen Sahnetag wie im Halbfinale in München erwischen, um Zverev erneut zu schlagen.

Auch seine mangelnde Erfahrung in großen Endspielen könnte zum Problem werden. Beim Achtelfinalsieg in Paris über den US-Amerikaner Zachary Svajda hatte er zwischendurch eine 5:1-Führung noch verspielt und gab danach zu, sich gegen Ende des Spiels „fast in die Hose gemacht“ zu haben.

French Open: Kurioser Finaleinzug für Cobolli

Im Halbfinale hatte er dazu keine Gelegenheit. Durch die Virus-Infektion seines Gegners Matteo Arnaldi zog Cobolli kampflos ins Finale ein – erschien zur Verwunderung einiger Beobachter aber noch zu einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem erkrankten Arnaldi.

Nach der kurzfristigen Absage veranstaltete Cobolli kurzerhand eine kleine Trainings-Session auf dem Court und holte sogar einen Fan für ein paar Ballwechsel auf den Platz. Auf Arnaldis Niveau war dieser aber natürlich nicht und die Gefahr besteht, dass das fehlende Halbfinale Cobolli ein wenig aus dem Rhythmus geworfen hat.

Doch das Finalduell ist für ihn auch eine riesige Chance. Sicher ist nur: ein Hassduell wird es gegen Zverev nicht werden. „Für mich ist er einfach ein netter Mensch. Er hat ein gutes Herz“, sagte die deutsche Nummer 1 zuletzt: „Wenn man ihn erst einmal näher kennt, ist er unheimlich witzig“

Wenn es am Sonntag ab 15 Uhr um die französische Tennis-Krone geht, dürfte die Freundschaft jedoch vorerst ruhen. Zumindest bis zum Matchball.