Jan-Lennard Struff ballte nach dem Ende seines Drittrunden-Traumas beide Fäuste, die euphorisierten Fans bejubelten den Warsteiner mit lauten „Let’s Go Struffi“-Gesängen: Der 36-Jährige hat erstmals das Achtelfinale von Wimbledon erreicht. Struff bezwang am Freitag den früheren russischen Weltranglistenersten Daniil Medwedew mit unglaublicher Nervenstärke 7:6 (7:4), 7:6 (7:5), 7:5 – im fünften Anlauf gelang im All England Club endlich der Einzug in die Runde der letzte 16.
Struff-Wahnsinn in Wimbledon
Struff-Wahnsinn in Wimbledon
„Zum ersten Mal im Achtelfinale von Wimbledon, ich bin sehr glücklich und stolz“, sagte Struff nach seinem famosen Sieg auf Court 3: „Es ist unglaublich. Tennis ist manchmal ein harter Sport. Die wichtigste Sache ist, dass man nicht aufgibt.“ Die deutsche Legende Patrik Kühnen bezeichnete den Auftritt als „absolute Weltklasse“ und jubelte.
Im zehnten Duell auf Tourlevel feierte Struff seinen erst zweiten Sieg gegen den US-Open-Sieger von 2021. Zuletzt hatte er sich vor fünf Jahren beim Heimspiel in Halle/Westfalen gegen den Vorjahres-Viertelfinalisten durchgesetzt. Nach dem Coup trifft der 36-Jährige nun im Achtelfinale auf den US-Amerikaner Tommy Paul (Nr. 21) oder Hubert Hurkacz aus Polen. „Da kann kommen wer will“, sagte der frühere Davis-Cup-Kapitän Patrik Kühnen bei Prime Video: „Der hat so ein Selbstvertrauen jetzt.“
Struff bezwingt Medvedev
Als 20. deutscher Tennisspieler in der Open Era erreichte Struff das Achtelfinale im Männer-Einzel von Wimbledon, in der Weltrangliste nähert er sich Schritt für Schritt den Top 60. Viele Anzeichen für einen solch märchenhaften Lauf beim Rasenklassiker hatte es im Vorfeld nicht gegeben. Schließlich hatte Struff mit dem Einzug in die dritte Runde erstmals seit Oktober bei einem Turnier zwei Matches im Hauptfeld gewonnen. Im Alter von 36 zeigt er nun aber sein bestes Tennis.
Nur einen Tag nach Ende des 4:6, 7:6 (8:6), 7:6 (7:5), 6:7 (6:8), 7:6 (10:7)-Nervenkrimis gegen den US-Amerikaner Brandon Nakashima – bei dem Struff sagenhafte 45 Asse serviert hatte – ging es schon wieder weiter. „Es wird ein absolut schwieriges Match. Da muss ich Gas geben“, hatte Struff im Vorfeld betont, doch der Start verlief mit einem frühen Break für Medwedew holprig. Struff fand im warmen London aber schnell auf Betriebstemperatur, holte sich selbst ein Break – und ballte unter lautem Jubel die Faust. Und so ging es direkt wieder in einen Tiebreak, in dem sich Struff cool den Satz holte.
Im zweiten Durchgang drehte Medwedew auf, Struff lag schon 2:5 zurück. Doch wie schon so oft in diesen Tagen kämpfte er sich aus einer schier aussichtslosen Situation zurück, natürlich fiel die Entscheidung im Tiebreak – wieder mit dem besseren Ende für den Deutschen. Das Bild wiederholte sich auch in Satz drei.
Am Samstag will auch French-Open-Sieger Alexander Zverev in die Runde der letzten 16 einziehen und sein bisher bestes Resultat an der Church Road egalisieren. Der Hamburger spielt gegen Marcos Giron aus den USA.