Dass Aryna Sabalenka über die Niederlage gegen Elena Rybakina (4:6, 7:5, 2:6) im Finale der US Open wenig begeistert war, zeigte die Weltranglisten-Zweite dem Millionenpublikum recht ungefiltert.
Sabalenka bringt Becker in Rage
Sabalenka bringt Becker in Rage
Sie zerhackte ihren Schläger, zischte ein „Fuck off“ in Richtung eines Kameramanns und verschwand beleidigt in ihrer Box. Dafür erntete die 28-Jährige zahlreiche Kritik. Nun meldeten sich auch Boris Becker und Andrea Petkovic in ihrem gemeinsamen Podcast „Becker Petkovic“ zu Wort.
Becker findet deutliche Worte
„Ich mag sie. Ich mag ihre Spielweise. Aber ich finde, sie ist ein Vorbild für Millionen von Mädchen. Sie muss sich ein wenig unter Kontrolle haben“, erklärte der sechsmalige Grand-Slam-Sieger. Sabalenka müsse Respekt davor zeigen, in einem US-Open-Finale stehen zu dürfen und die Chance auf fünf Millionen Dollar Preisgeld zu haben.
„Das sind hochprofessionelle, hochbezahlte Top-Athletinnen und wenn du ein Finale verlierst, dann musst du verdammt nochmal auf deinem Stuhl stehen bleiben und die ganze Sache würdigen“, wetterte der 58-Jährige.
Becker stellte vor allem die Szenen nach dem Matchball in den Fokus seiner Kritik. „Die zerhackt ihren Schläger nach dem Match. Millionen schauen da hin“, sagte er. „Du hast verdammt nochmal die Pflicht, diese 10 Minuten, die du warten musst, professionell rumzubekommen – ohne einen Schläger zu zerhacken oder in deine Box zu gehen und den Gegner nicht zu respektieren. Das geht nicht.“
Becker wurde noch deutlicher. Dass Sabalenka einem Kameramann ein „Fuck off“ zuzischte, sei für ihn der „komplette Realitätsverlust“.
Als positives Gegenbeispiel führte Becker Ben Shelton an. Der US-Amerikaner hatte einen Tag später das Männer-Finale gegen Alexander Zverev verloren, sich anschließend aber respektvoll gegenüber dem Deutschen gezeigt und dessen Moment bei der Siegerehrung nicht gestört.
„Toxische Brühe“ bei Sabalenka
Auch bei Podcastpartnerin Petkovic sorgte Sabalenkas Auftritt für Verwunderung. Die ehemalige Top-Ten-Spielerin betonte die schwierige mentale Phase Sabalenkas, in der sich eigene hohe Erwartungshaltungen und die Enttäuschung über die diesjährigen Grand-Slam-Auftritte zu einer „toxischen Brühe vermische“.
Die enorme Anspannung sei Petkovic bereits im ersten Aufschlagspiel von Sabalenka aufgefallen. Obwohl sie ihr Service durchbrachte, schleuderte Sabalenka einen Ball wütend in die Ecke.
Auch wenn Petkovic zunächst Sabalenkas Verhalten zu erklären versuchte, stimmte sie Becker bei seiner Kritik zu. Die Minuten nach einem Grand-Slam-Finale seien der Siegerin vorbehalten. Sabalenka hingegen habe die mediale Aufmerksamkeit durch ihren unkontrollierten Frust umgelenkt: „Natürlich fangen die Kameras dann nicht Elena ein, sondern Aryna, wie sie ihren Schläger zerhackt und dann in die Box geht und ein bisschen schmollt.“
Warnung an Sabalenka
Becker stellte Sabalenka eine düstere Prognose. Für ihn ist Sabalenkas Umgang mit dem enormen Druck nicht nur eine Frage des Auftretens, sondern könnte ihr auch sportlich zum Problem werden.
Mit dieser Mentalität werde sie seiner Einschätzung nach zunächst keine weiteren großen Titel gewinnen. Auf höchstem Niveau entscheide schließlich nicht allein die spielerische Qualität, sondern auch die Fähigkeit, mit Druck und der eigenen Erwartungshaltung umzugehen.
Sabalenka selbst erklärte ihren Ausbruch nach dem Finale damit, dass sie ihren Frust unmittelbar habe herauslassen müssen. Andernfalls hätte sie ihre Emotionen bei der anschließenden Siegerehrung womöglich nicht kontrollieren können.