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Traumjahr! Zverev gewinnt US Open

Traumjahr! Zverev gewinnt US Open

Alexander Zverev gewinnt zum ersten Mal die US Open. Der Hamburger schüttelt auch eine zwischenzeitliche Schwächephase ab. Jetzt winkt auch die Nummer 1 zum Jahresende.
Nach den French Open sichert sich der Hamburger auch den Titel in New York. In der Weltrangliste rückt Platz eins näher.
Alexander Zverev gewinnt zum ersten Mal die US Open. Der Hamburger schüttelt auch eine zwischenzeitliche Schwächephase ab. Jetzt winkt auch die Nummer 1 zum Jahresende.

Alexander Zverev wusste erst gar nicht, was geschehen war. Der Ball von Ben Shelton segelte ins Aus, doch Zverev jubelte nicht, sondern schien sich auf das nächste Spiel vorzubereiten. Es dauerte, bis er begriffen hatte, dass er gerade die US Open gewonnen hatte: Dann gingen die Arme hoch, das Grinsen wurde breit – und die Party mit der Familie konnte beginnen. „Das ist für mich die Szene des Jahres“, meinte Boris Becker bei Sporteurope.tv.

Der topgesetzte Hamburger besiegte in einem lange einseitigen Finale in New York den auf diesem Niveau unerfahrenen Lokalmatador Shelton mit 6:3, 7:6 (7:2), 5:7, 6:2 – und nimmt allmählich auch die Spitze der Weltrangliste ins Visier (LIVETICKER ZUM NACHLESEN).

Der 29-Jährige, der Anfang Juni bei den French Open seinen langersehnten ersten Grand-Slam-Erfolg errungen und fünf Wochen später das Wimbledon-Finale erreicht hatte, veredelt beharrlich sein mit Abstand bestes Jahr auf der Profitour. „Es hat fast 30 Jahre gebraucht, und jetzt gewinnen wir zwei Grand Slams in wenigen Monaten“, sagte Zverev in seiner Dankesrede.

Zverev kassiert ein Rekordpreisgeld von 5,5 Millionen Dollar (rund 4,7 Millionen Euro). Und er schrieb ein schmerzhaftes Kapitel seiner Karriere um.

US Open: Zverev zweiter Einzelchampion nach Boris Becker

An gleicher Stelle vor sechs Jahren hatte Zverev schließlich das Finale dramatisch in fünf Sätzen gegen den Österreicher Dominic Thiem verloren, nun ist er der zweite deutsche Einzelchampion in New York nach Boris Becker.

Nach dem Leimener, der 1989 Wimbledon und die US Open gewonnen hatte, gelangen Zverev zudem als zweitem deutschen Mann zwei Major-Siege in einer Saison. Mit Finalteilnahmen bei allen vier großen Turnieren und drei in Folge ist er dem sechsmaligen Major-Champion Becker sogar voraus.

Zverev verlängerte mit seinem 26. Turniersieg auch die Durststrecke einer großen Tennisnation: Seit dem 7. September 2003, dem US-Open-Triumph von Andy Roddick, warten die USA auf einen Grand-Slam-Champion im Männer-Einzel.

Shelton (23) ist ein Spieler mit Perspektive, kürzlich gewann er das Masters in Montréal, präsentierte sich in New York stabil wie nie, warf im Viertelfinale Titelverteidiger Carlos Alcaraz raus.

Nummer 1 winkt! Alexander Zverev kann Sinner überholen

In der Weltrangliste verbessert sich Shelton auf Rang vier, so hoch stand er noch nie. Zverev bleibt die Nummer zwei, die erstmalige Übernahme des Spitzenplatzes rückt aber in Reichweite.

Branchenprimus Jannik Sinner hatte seine US-Open-Teilnahme wegen Kniebeschwerden abgesagt, seit seinem Wimbledon-Finalsieg über Zverev hat der Italiener kein Match bestritten. Sinner muss bis Ende der Saison mehr als 3500 Ranglistenpunkte verteidigen, Zverev nur rund 1000.

Durch seinen US-Open-Sieg liegt er im Ranking lediglich noch 1810 Zähler zurück. Der Spanier Alcaraz, zu Jahresbeginn die Nummer eins, muss nach monatelanger Verletzungspause erst seine Form wiederfinden.

Zverev: „Liebe Atmosphäre, die ein bisschen feindselig ist“

Zverev betrat die Katakomben des größten Tennisstadions der Welt gut gelaunt in Badeschlappen.

Dass ihm nicht nur Shelton, sondern auch die gut 24.000 Zuschauer im Arthur Ashe Stadium das Leben schwer machen wollten, bekümmerte Zverev keineswegs: „Ich liebe eine Atmosphäre, die laut ist und auch ein bisschen feindselig. Solange die Fans nicht in den Aufschlag reinschreien, ist alles okay.“

Zverev, der in den ersten beiden Runden gegen Außenseiter jeweils über fünf Sätze hatte gehen müssen, steigerte sich im Turnierverlauf erheblich, auf dem Weg ins Endspiel gewann er 13 Sätze in Folge.

Weiteres gutes Omen: Grand-Slam-Finaldebütant Shelton gehörte zu seinen Lieblingsgegnern, in allen fünf vorherigen Duellen siegte Zverev und gab in Summe nur einen Satz ab. Überhaupt liegen dem Tokio-Olympiasieger Linkshänder (einzige Ausnahme war Rafael Nadal, der eigentlich Rechtshänder, aber mit der linken Hand Tennis spielte) – von 45 Matches seit Juni 2023 verlor er nur eines.

Shelton agiert teils sehr nervös – Zverev bedankt sich

Nervosität war aber nur Finaldebütant Shelton anzumerken, der erste Satz war nach zwei verlorenen Aufschlagspielen schnell weg. „Shelton ist schon an seiner Grenze“, bemerkte Becker.

Auch Zverev holte ihn nicht ernsthaft ins Match zurück, den Verlust von Satz drei konterte er mit einem Break zu Beginn des vierten Durchgangs. Die Zuschauer waren dadurch kein wesentlicher Faktor.

Im ersten Vergleich mit einem Top-20-Spieler im Turnierverlauf – schon in Paris und Wimbledon hatte er Gegnerglück gehabt – agierte Zverev vor zahllosen Prominenten aus Sport und Showgeschäft voller Selbstvertrauen und mit Kontrolle.

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